Sonntag, 6. Oktober 2013

Mein erster Abend in der Tonhalle

Ich als eingefleischte Düsseldorferin (zumindest ein kleines bisschen, mittlerweile) hatte schon immer einen Traum: ich wollte in die Tonhalle. In dieses imposante Gebäude, mit der großen Kuppel, in dem es die perfekte Akustik geben soll. Nur leider bin ich nicht der absolute Klassik Fan. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass Klassik so gar nicht mein Ding ist. Ich glaube mir fehlt einfach noch ein bisschen das Verständnis oder das passende Gehör, außerdem erinnere ich mich schmerzhaft an Besuche mit der Schule in der Kölner Philharmonie. Die Ausflüge (je Mehrzahl, es waren fünf!) waren immer ganz witzig, ich habe gelernt erst zu klatschen wenn auch wirklich der letzte Ton verklungen ist (manchmal kommt da nämlich noch was nach). Allerdings darf man auch nicht zu viel klatschen, sonst gibt die Frau an der Violine noch eine Zugabe. Das war damals sehr unangenehm für meine Ohren. Und die anderen Besucher um uns herum (die, die keine Schüler waren, sondern Erwachsene, die gern Klassik hören) fanden es leider gar nicht so toll, dass wir uns während der Vorstellung miteinander unterhalten haben. Also habe ich gelernt bei Klassik zu schweigen, um Ärger zu entgehen. Außerdem kann ich seit dieser Zeit meinen Zeige- und Mittelfinger voneinander abspreizen, sodass ein V entsteht. (Weiß irgendjemand was ich meine?) Seit diesen Tagen habe ich einen erfolgreichen Bogen um klassische Musik gemacht. Doch leider hat mich diese Entscheidung lange von einem Besuch in der Tonhalle abgehalten. (Das war ja glücklicherweise eine sehr kurze und knappe Einleitung. Glückwunsch an mich selbst und an jeden Leser, der immer noch dabei ist.)

Wie kam es also zu dem Ereignis am gestrigen Abend? Ganz einfach: ich habe ein Schlupfloch gefunden. Max Raabe. Kennt den irgendjemand? (Keine Sorge ich werde am Ende dieses endlosen Monologs ein Video einbetten.) Er macht Musik für die ein Orchester gebraucht wird (das Palast-Orchester) und singt selbst (ich finde es ist immer eine Bereicherung wenn bei Musik gesungen wird. Akustik ist so gar nicht meins, vielleicht schreckt mich das zusätzlich an klassischer Musik ab). Mein lieber Papa ist höchst begeistert von diesem Interpreten (damit ist auch das Geheimnis gelöst woher ich Herrn Raabe kenne) und so bin ich mit meinen Eltern zusammen in die Tonhalle gefahren. Falls jemand jemals vorhat dort mit dem Auto hin zu fahren: viel Erfolg bei der Parkplatzsuche! Ich weiß schon warum man in Düsseldorf selbst bei den öffentlichen Verkehrsmitteln bleiben sollte. Jetzt also zum gestrigen Abend: Es war puristisch und extravagant. Für alle, die damit reichlich wenig anfangen können: Die Show war sehr einfach und klar gehalten. Es gab keine großen Effekte, aber dennoch wurden Augen und Ohren permanent in Beschlag genommen. Max Raabe hat mit eleganten Witz überzeugt, seine Stimme ist klar und dennoch hat sie etwas einzigartiges. Ich habe einen guten Abend erwartet und meine Erwartungen wurden um Meilen übertroffen. Alles war perfekt gesetzt. Zwischen den Lieder eins, zwei Sätze von Herrn Raabe, die das Publikum zum Lachen brachten. Das Licht dezent aber wirkungsvoll eingesetzt. Alles in endloser Harmonie, die das Publikum mit auf eine Reise nimmt. Und zusätzlich gibt es hin und wieder eine kleine Überraschung.
Die Tonhalle war dafür der geeignete Rahmen. Der Klang konnte sich entfalten und durch die doch relativ überschaubare Größe kamen Stimmen und Instrumente voll zur Geltung. Ich möchte eine klare Weiterempfehlung aussprechen: für Max Raabe und die Tonhalle.
Aber weil Kritiken ohne eine Anregung der Verbesserung langweilig wären möchte ich noch folgendes Hinzufügen: das Gläserspiel war überflüssig.
Und hier zur Einstimmung:

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