Sonntag, 9. März 2014

Muss das wirklich sein?

Ich lese wahnsinnig gern Bücher und wenn sie gut waren empfehle ich sie noch lieber weiter. Das mache ich häufig, nichts besonderes. Aber immer in dieser Reihenfolge: erst lesen, dann empfehlen. Doch es gibt eine Ausnahme (die gibt es doch immer, oder?) und die hat bei mir den einprägsamen Titel "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson. Warum ich das Buch so vielen ans Herz gelegt habe, ohne es mir vorher selbst zu Gemüte zu führen hatte zwei Gründe: erstens habe ich damals ein Praktikum in der Buchhandlung absolviert und irgendwas muss man ja empfehlen (außerdem war das Buch erst neu erschienen und DER Knaller, in aller Munde) und zweitens habe ich mich selbst immer vor dem Lesen gedrückt, denn obwohl alle positiv davon gesprochen haben und alle begeistert von der Empfehlung waren (auch im privaten Umfeld), hatte es für mich nicht den Anschein als ob es mir gefallen könnte. Und so habe ich mich immer und immer weiter davor gedrückt, aber irgendwann holen die Sünden einen ein. Wenn der Freund, der sonst nicht viel liest, begeistert vom Buch ist und immer wieder drängt: lies es! Und wenn die anderen Fragen, ob ich es nun auch mal gelesen habe. Und jetzt lesen alle den zweiten Teil (der wohl nicht so ne Bombe sein soll) und ich fühl mich irgendwie abgehängt. Also dachte ich mir, besser heute als morgen und schlug die erste Seite auf.

Die Frage die sich stellt: ist es notwendig über ein Buch zu schreiben das so ziemlich jeder, der grobes Interesse an Büchern hat schon gelesen, zumindest aber gehört hat? Klare Antwort: ist mir doch egal. Wenn ich mir die Mühe mache was zu lesen, schreibe ich auch drüber. Und in diesem Fall ist es zugleich ein Statement für all diejenigen, die das Buch aufgrund von meiner Empfehlung gelesen haben.
Also worum geht's? Da gibt es diesen Hunderjährigen, der aus seinem Fenster (im Altersheim) steigt und verschwindet. Heftige Überraschung oder? Na gut, ab jetzt gebe ich mir Mühe: Allan heißt der gute Mann, der in seinem Leben schon viel erlebt hat. Und das Buch spielt in zwei Zeiten, einmal die Gegenwart, diese Fluchtsituation, in die noch Polizei, eine kriminelle Bande, eine handvoll neue Freunde und ein Elefant verwickelt sind, und Allans Vergangenheit, in der sich eine Reihe politischer Persönlichkeiten wiederfinden. Eigentlich ist das Buch mehr ein amüsanter Lebensbericht als eine Geschichte, die auf ein klares Ziel zusteuert.
Wie ist es geschrieben? Nicht komplex, sehr fließend und lustig. Auch wenn ich dem Buch aus unerfindlichen Gründen sehr kritisch gegenüberstand musste ich immer wieder lachen, ja sogar laut. Durch die Zweiteilung entsteht zudem eine gewisse Dynamik, die zum weiterlesen motiviert. Es gibt bestimmt eine Million Verweise an reale Personen und Situationen (von denen ich, kritisch geschätzt, nur eine handvoll verstanden habe).
Die Moral von der Geschicht? Alles wird gut. Wirklich. Immer. Solang du dich nicht zu dumm anstellst und gute Absichten hast.
Weiterempfehlen? HAHA. Also ich würde es den Menschen, denen ich es empfohlen habe nochmal ans Herz legen (es hat ihnen ja auch allen gefallen). Auch wenn es eine ganz andere Sorte Buch ist als die, die ich sonst lese - Frauenkitsch privat, Weltliteratur für die Uni - hat es mir am Ende sehr gut gefallen und ich war ein bisschen traurig, als ich die letzte Seite zuklappte. Deshalb kann sich meiner Meinung nach jeder ran trauen, wenn er will. Und ich kann auch sehr gut nachvollziehen, warum der Hunderjährige das Buch des vergangenen Jahres war. Wirklich verdient.

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