Freitag, 25. April 2014

Die andere Seite

Ich bin ein Zukunftsmensch. Zwar lebe ich im hier und heute, doch meine Leidenschaft gilt der Planung: was muss nächsten Monat erledigt werden? Wie wird es wohl in einem Jahr sein? Heiraten, Kinder kriegen, Eigenheim, oder so. Auf jeden Fall nie im hier und jetzt verweilen und am besten auch nicht in der Vergangenheit, obwohl ein kleiner Blick zurück ab und an für die Seelenbalance notwendig ist. Bei all der Zukunftsplanung weiche ich aber einem Thema immer geflissentlich aus: dem Tod.
Bis jetzt hatte ich das Glück, noch niemanden, der mir wichtig ist und nahe steht, verloren zu haben (meinen geliebten Kanarienvogel Charlie mal ausgeschlossen). Von daher läuft meine Ich-ignoriere-den-Tod-Strategie recht erfolgreich. Allerdings versuche ich ja Stück für Stück erwachsen zu werden und dann wurde ich vor einigen Tagen auf ich-liebe-unsinn.blogspot.de inspiriert über den Tod und das eigene Leben nachzudenken.
Es geht um Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Na dann mal los.

"Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein."

Eigentlich bin ich ziemlich glücklich. Eigentlich und ziemlich. Wie das halt so ist im Leben, gibt es immer noch so einige Stellen, die optimiert werden könnten. Doch es stellt sich die Frage: Nörgelt man nur am eigenen Leben rum, weil man es nicht anders kennt, oder gibt es wirklich Verbesserungsbedarf? Im Prinzip ist es eher die dauerhafte Unzufriedenheit, die uns Menschen innewohnt. Das Glas ist bei den meisten eben eher halb leer. Doch wenn ich ganz scharf nachdenke wird mir klar: Alles ist gut. Ich habe einen wunderbaren Verlobten mit dem ich alles schaffen kann, liebe Freunde, die mir zur Seite stehen und eine große Kuschelcouch, auf die ich mich zurückziehen kann, falls es doch mal nicht läuft. Ich muss mich nur selbst häufiger daran erinnern.

Sonne, Ruhe, Natur: Meine persönliche Glücksrezeptur.

"Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht erhalten."

Ganz schwieriges Thema. Ich bin zwar noch ein relativ junger Mensch, doch hat mir die Erfahrung gezeigt, dass es nicht immer möglich und/oder sinnvoll ist, an allen Freunden festzuhalten. Irgendwann läuft es darauf hinaus, dass man selbst die einzige ist, die sich noch meldet. Manchmal schrumpfen Freundschaften auf gelegentliche E-Mails oder Facebook-Nachrichten zusammen, manchmal verschwinden sie ganz. Auf der anderen Seite ist es wundervoll jemanden zu treffen, mit dem man schon in der Grundschule eine Menge Spaß hatte und gemeinsame Erinnerungen teilen kann. Freundschaften sind sehr wichtig, ich bin dazu übergegangen einige wenige Freundschaften zu pflegen. Dafür kann ich sicher sein, dass ich auf diese Freunde immer zählen kann. Doch man sollte sich immer bewusst machen, dass man an Freundschaften arbeiten muss. Wenn die beste Freundin aus der Grundschule sich nie meldet, ist es vielleicht besser irgendwann Abstand zu nehmen, auch wenn es schmerzhaft ist.

Der Hund als bester Freund des Menschen <3


"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken."

Als Jugendliche hatte ich damit wirkliche Schwierigkeiten. Es gibt da draußen einige Jungs (jetzt Männer) für die ich geschwärmt habe, die aber nie etwas davon mitbekommen haben. Den meisten habe ich es verschwiegen. Andere waren einfach blind und taub für all meine unauffälligen Anmerkungen. Tja passiert. Jetzt habe ich glücklicherweise den richtigen Mann an meiner Seite und er hat mir auch beigebracht, offen über meine Gefühle zu sprechen. Ihm kann ich mich anvertrauen und auch mit meiner Familie und Freunden kann ich weitesgehend alles besprechen. Manchmal fällt es schwer mich neuen Bekannten zu öffnen, denn wenn man Gefühle anvertraut macht man sich verletzlich. Andererseits ist es ja wirklich nicht nötig immer allem und jedem davon zu berichten, was ich denke oder fühle. Was das betrifft bin ich ziemlich im Reinen mit mir.


"Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet."

Muhaha. Als Studentin sollte ich mich da wohl lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Meine Arbeit ist sehr selbstbestimmt, ich kann mir die Zeiten selbst einteilen. Das führt gelegentlich zu sehr entspannten Zeiten, aber leider auch oftmals zu sehr viel Stress. Ich versuche immer einen Mittelweg zu finden und hoffe, dass mir das auch später in der "richtigen" Arbeitswelt gelingen wird.



"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben."

Ich kann nicht behaupten mit meinem Leben unzufrieden zu sein. Klar hätte ich im Nachhinein die ein oder andere Entscheidung vielleicht besser sein gelassen. Im Prinzip haben mich meine Eltern immer bei allem unterstützt und mich nie in eine Richtung gezwungen. Deshalb konnte ich das studieren, was ich wollte und lebe nun in meiner eigenen Wohnung. Somit führe ich mein eigenes Leben. Einige Entscheidungen sind aber dennoch abhängig von anderen und sich selbst. Zum Beispiel finde ich Auslandsreisen oder Work and Travel interessant, aber ich will auch dieses Jahr heiraten und nicht zu weit weg von Eltern und Verlobten. Mit jeder Entscheidung, die man für sein Leben trifft, werden andere Möglichkeiten ausgeschlossen. So funktioniert das Leben. Die ultimative Freiheit hat nur der, der sich niemals entscheidet, und der macht eigentlich gar nichts. In meinen Augen ist das nicht erstrebenswert. Ich lebe mein Leben, treffe meine Entscheidungen und bin glücklich darüber auch andere Menschen mit einzubinden, denn sonst wäre ich allein.

1 Kommentar:

  1. Tolles Posting und es freut mich sehr, dass auch du dir bereits im Leben über diese Fragen eine Antwort gebildet hast. Obwohl diese sicher niemals fest in Stein gemeißelt sein werden!
    Liebe Grüße Mario

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