Donnerstag, 1. Mai 2014

Anleitung zum Unglücklichsein

Kennt ihr diese Vorsätze, die man ewig hat, die sich aber nicht so richtig umsetzen lassen? Mal liegt es an der Einstellung, gelegentlich sind auch die äußeren Umstände einfach nicht förderlich. Einen dieser Vorsätze habe ich auch und zwar schon seit längerem. Ein Vergleich zwischen Buch und Film auf diesem Blog. Allerdings kommen da noch einige Ansprüche dazu: das Fazit sollte nicht lauten: der Film ist schrott, das Buch ist top. Das ist aber nun einmal traurige Realität. Der einzige Film, der meiner Ansicht nach besser als das Buch ist, heißt "Der Vorleser." Weder Buch noch Film sind wirklich aktuell, deshalb sollte es das auch nicht sein. Dann sah ich vor einiger Zeit einen Lichtblick. "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Nachdem es gefühlte zehn Jahre im Bücherregal meiner Eltern stand, entwickelte ich auf einmal ein Interesse dafür. Und kurz darauf gab es eine Verfilmung. Der Wahnsinn oder? Nein. Das Buch war super, der Film so mies, dass ich es nicht mal geschafft habe ihn zu Ende zu sehen. Und Filme breche ich wirklich fast nie ab. Ich meine, wer es schafft "Cosmopolis" bis zum Ende zu ertragen, der hält wirklich viel aus. Doch was wäre das Leben ohne unerwartete Chancen? Und es kam die Erleuchtung: Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein".


Ich begegnete Watzlawick (nicht persönlich!) das erste Mal in der 11. Klasse - mein persönlicher Versuch Pädagogik in den Stundenplan aufzunehmen, der (Überraschung!) scheiterte. Dort habe ich aber immerhin etwas gelernt: man kann nicht nicht kommunizieren. Dann begegnete der werte Herr mir ein zweites Mal im Studium (Mediation-blabliblub-blubliblab oder ähnlich hieß der Kurs) und sorgte auch dort für heitere Laune und einige Erkenntnisse. Dann begann mein Papa (der Mann, der mich immer wieder mit neuen Ideen für Bücher außerhalb der Kitsch-Sparte inspiriert) mir von der "Anleitung zum Unglücklichsein" zu berichten und erwähnte, dass auch eine entsprechende deutsche Verfilmung vor der Tür steht. Und mein Kopf dachte: zwei Fliegen mit einer Klappe: ein gelungener Vergleich zwischen Buch und Film sowie das Lanzenbrechen für deutsche Filme im allgemeinen. (Ihr merkt, bei der Länge von Einleitungen kenne ich mittlerweile keine Grenzen mehr.)

Das Thema Glück beschäftigt viele von uns - davon haben auch viele "Ratgeber" Wind bekommen und bemüllen die Welt nun fleißig mit ihren Tipps zum Glücklichwerden, Glücklichsein, Glücklichbleiben. Tja was soll ich sagen, Watzlawick war vorher da und seine Idee über das Unglücklichsein zu schreiben finde ich ganz prima. Denn es nimmt den Leistungsdruck. Es wird nicht behauptet, dass der Leser nach der Lektüre auf einmal das Glück gepachtet hat - wie es bei vielen der aktuellen Ratgeber meiner Meinung nach der Fall ist. Zudem versprüht das Buch (trotz wissenschaftlicher Basis) eine Leichtigkeit, die ich sehr schätze.

"Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen." (AzU, 10)*
Das Buch ist in viele kleine Unterkapitel eingeteilt, die verschiedene Tipps zum Unglücklichsein vereinen. Dabei fühlte ich mich immer wieder erwischt, den viele der "Techniken" nutzen die meisten Menschen tatsächlich in ihrem Alltag. Dabei geht die Bandbreite von Tipps, wie der Partner effektiv vergrault werden kann: "Wenige Maßnahmen eignen sich besser zur Erzeugung von Unglücklichkeit als die Konfrontierung des ahnungslosen Partners mit dem letzten Glied einer langen, komplizierten Kette von Phantasien, in denen er eine entscheidende, negative Rolle spielt." (AzU, 38) über allgemeine Weisheiten hin zu Vorschlägen wie man sich ganz allein unglücklich machen kann. Natürlich hat das ganze auch einen Clou. Denn wenn der Mensch sein eigenes Unglück hervorrufen kann, dann ist er auch in der Lage sein eigenes Glück in die Hand zu nehmen. Schön, oder?
Ich empfehle dieses Buch ganz klar weiter. Es ist knackig geschrieben, flüssig zu lesen und im Umfang überschaubar. Obendrauf bekommt der Leser noch den ein oder anderen guten Denkanstoß, den er nutzen kann, oder eben nicht. Jeder ist seines Glückes Schmied, kennt ihr doch, oder?

Und wie kommt man von so einem Buch zum Film? In dem man die ein oder andere Idee aufgreift und eine nette (und teilweise gestörte) Geschichte drum herum baut und das ganze "Anleitung zum Unglücklichsein, oder wie die Liebe Tiffany trotzdem fand" nennt. Es handelt von einer jungen Frau namens Tiffany (gespielt von Johanna Wokalek, die ich hinreisend finde!), die ein sehr geregeltes Leben ohne viel Freude hat. Geregelt könnte man auch Zwangsstörungen nennen. Nebenbei taucht hin und wieder ihre Verstorbene Mutter auf, mit der sie dann hitzige Diskussionen hat. Und wie es nicht anders sein kann, trifft Tiffany dann auch noch zwei Männer, der eine ist nicht so der Siegertyp, der andere ist der Traumboy.
Vom Buch werden einige Passagen aufgegriffen und wunderbar umgesetzt: "Behalten Sie sich ihren Hammer, Sie Rüpel!" (AzU, 38). Dem Charme der Protagonistin kann man sich nicht entziehen (also ich kann es nicht) und der Film zeigt dem Zuschauer dasselbe, was das Buch dem Leser klar macht: Schau mal, du Idiot, du machst dir dein Leben schwer, obwohl es so einfach sein könnte. Nur das der Film eine etwas beispielhaftere Umsetzungsstrategie wählt.

Das Großartige ist: Buch und Film sind beide klasse, weil sie unterschiedlich funktionieren und dennoch den gleichen Hintergedanken pflegen. Vielleicht sollten sich die Filme allgemein häufiger von Büchern emanzipieren. Gleichzeitig wäre es hilfreich, wenn die Zuschauer aufhören würden, mit dem Buch in der Hand vor der Leinwand zu sitzen und "Hier ist ein Unterschied" zu brüllen. Dann klappen Buchadaptionen demnächst vielleicht besser.

Jetzt kommt übrigens eine super-duper-Überleitung: Da wir gerade beim Glück sind, ich habe heut auch noch eine glückliche Gewinnerin zu vermelden. Gestern Abend endete die Buchverlosung und heute habe ich bezaubernde Zettelchen gebastelt und eines vom Freund ziehen lassen (damit ich nicht parteiisch wirke). Ich bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, ich habe mich über jeden Kommentar wirklich gefreut :)
Und gewonnen hat:

Herzlichen Glückwunsch liebe Romana, ich schicke dir sogleich eine Mail. Für die anderen hoffe ich, dass sie auf einem anderen der vielen Blogs mehr Glück hatten.

P.S.: Ich habe irgendwo gelesen das jeder Blogeintrag ähnlich lang sein sollte. Dass ich daran nicht glaube brauche ich nicht zu erwähnen oder?

*Hier und im Folgenden wird das kursiv geschriebene aus Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (22. Auflage), München 2012, unter der Sigle AzU zitiert.

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