Montag, 24. November 2014

Absurder Zeitrhythmus

Ich bin voll im Masterarbeit schreiben drin. Mein Leben ist derzeit darauf ausgerichtet. Und das hat einen Grund: ich habe (fast) keine Zeit mehr. Abgabe ist Mitte Januar, wenn man die Tage über Weihnachten abzieht, an denen ich mir lieber im Kreis der Familie den Magen voll schlage, anstatt groteske Aufsätze über Körpersäfte zu studieren, bleibt nicht mehr viel übrig.
Den Zeitmangel habe ich mir selbst zu verdanken. Der Mann hat mich schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass das Ganze eine Katastrophe wird, wenn ich nicht bald in die Puschen komme. Aber ich war ja die Ruhe selbst. Hier mal ein Buch gelesen, dort mal die Titelseite kreiert, schon konnte ich mir vormachen etwas geleistet zu haben. Heute könnte ich mir selbst in den Allerwertesten treten. Idiotin!
Um nun besonders produktiv zu sein versuche ich meinen Rhythmus zu perfektionieren. Vor allem morgens ist so gar nicht meine Zeit. Um dem entgegen zu wirken probierte ich einiges aus. Zunächst einmal stellte ich mir den Wecker auf halb acht. Dann musste ich feststellen, dass es um diese Zeit draußen noch dunkel ist. Nicht wirklich zufriedenstellend. Aber Augen auf und durch (Augen zu wäre fatal gewesen). Eine halbe Stunde Sport, viel Wasser und eine Dusche sollten den Kreislauf in Schwung bringen. Ich zerrte meinen Stepper hervor, steckte Kopfhörer in meine Ohren und strampelte mich zu "Macarena" ab. Das war teils spaßig, teils demütigend, aber den Schwung fand ich nicht. Außerdem verhalf mir das frühe Aufstehen leider nicht zum frühen Schlafen. Nach drei Tagen heftigsten Schlafentzug (5-6 Stunden pro Nacht, sonst pendel ich mich eher so bei 10 ein) bekam ich eine fröhliche Migräne, die mich einen ganzen Tag niederstreckte. Einen Tag weniger zum Schreiben. Das Morgenritual wurde restlos gestrichen.
Mein Dozent gab uns folgenden Rat mit auf den Weg: "Schreibt dann, wann ihr am besten arbeiten könnt. Zwingt euch nicht morgens um acht in die Bibliothek, wenn ihr nachts um vier nach einer Party besser schreiben könnt." Gut. Ich hasse es in der Bibliothek, ständig sind Geräusche überall und dann reden alle, aber natürlich nicht laut, weil sie ja leise sein sollen. Also flüstern sie, was das Gefühl von Stimmen im Kopf ergibt. Wirklich ein Traum. Da morgens auch einfach nicht meine Zeit ist, ich abends auch viel konzentrierter und motivierter bin, schiebe ich also nun Nachtschichten.
Ich komme voran und nur das zählt. Tagsüber versuche ich auch zu schreiben und auch das bringt was. Aber meinen Wecker habe ich wieder auf 9:30 Uhr gestellt. Reicht völlig. Auch wenn das zur Folge hat, dass ich den Postboten im Bademantel die Tür öffne. Ist ja nur noch bis Januar so.

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