Donnerstag, 11. Dezember 2014

Operntester

Die deutsche Oper am Rhein bietet ein geniales Programm an. Es nennt sich Operntester und lädt alle Menschen zwischen 16 und 28 Jahren ein sich in einen Newsletter registrieren zu lassen. Dann erhält man einmal im Monat eine Mail zur nächsten Operntester-Vorstellung und die ersten 10 die antworten können kostenlos mitgehen. Und da ich sowieso seit Ewigkeiten in die Oper wollte, aber nie Zeit/Lust/Begleitung gefunden habe, hat sich das sehr angeboten. Einzige Bedingung dieser Aktion: Wer mit in der Oper war, schreibt eine kleine Rezession. Und hier ist meine:

Da mein letzter Opernbesuch schon einige Jahre her war und ich überhaupt noch nie eine Oper auf Französisch gehört hatte, freute ich mich sehr auf die „Werther“ Vorführung. Kaum saß ich auf meinem – sehr tollen – Platz, fing mich die Stimmung der Oper ein, das Licht wurde gedämmt, alle verstummten und es ertönte ein Schuss. Als sich der Vorhang öffnete war ich zunächst etwas verdutzt, obwohl ich auf die grüne Kulisse und die rote Kleidung des Werthers eingestellt war, wirkte es doch etwas befremdlich. Genau genommen weihnachtlich. Die ersten Szenen waren irgendwie merkwürdig, ich kannte zwar die Handlung, aber es hat etwas gedauert, bis ich mich auf die Inszenierung einlassen konnte. Mit der Zeit entwickelte sich allerdings ein Sog, der mich in die Welt der unglücklich Verliebten zog. Vor allem die einnehmende Musik und die unglaublichen Stimmen der Sänger haben mich verzaubert. Herausragend gut war die junge Sophie, die eine Leichtigkeit versprühte, eine fantastische Stimme hat und mit Abstand die positivste Figur des Abends verkörperte.
Einige Kleinigkeiten haben den ansonsten sehr runden Abend allerdings gestört. Die Rolle des Albert, Charlotts Verlobter, war meiner Meinung nach viel zu aggressiv und unsympathisch. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum sie ihn nicht verlässt, wenn er doch allem Anschein nach ein schlechter Mensch ist und ihr nichts an ihm liegt. Da ist die Begründung des Versprechens am Sterbebett der Mutter nicht ausreichend. Der zweite Punkt ist, dass die Schauspieler – obwohl hervorragend gesungen! – etwas zu alt für diese Inszenierung scheinen. Denn eine Liebe, die so dramatisch ist, dass man sich für sie umbringt sollte eine sehr junge, naive Liebe sein. Wenn sich ein längst erwachsener Mann aufgrund einer unerfüllten Liebe umbringt ist das irritierend. 
Letztendlich endete die Vorstellung mit langen Applaus und Standing Ovation auf das auf jeden Fall zu Recht. Denn die musikalischen Leistungen der Sänger und der Band waren herausragend. Und in all dem Kitsch und der Dramatik verbargen sich Wahrheiten über die Liebe und das Leben.

Ich empfehle jedem, der jung ist und in der Nähe wohnt, sich das Programm mal anzuschauen. Es ist absolut lohnenswert, man kann den Horizont erweitern und lernt vielleicht noch nette Menschen kennen. Und wenn es eine Katastrophe wird, auch nicht schlimm. Ist bloß ein Abend und ihr könnt es unter Lebenserfahrung verbuchen. Vielleicht sehen wir uns ja beim nächsten Mal? 

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