Montag, 2. März 2015

Der Engelsbaum

oder "Lies ein Buch, das von einer Autorin geschrieben wurde."
Ich habe mir nur zwei Dinge für das neue Jahr vorgenommen. Zum einen jeden Monat mindestens eine neue Erfahrung zu sammeln. Zum anderen endlich wieder regelmäßig lesen. Zwei Bücher im Monat sollten es schon sein. Beides klappt ganz hervorragend.
Letzten Monat habe ich ständig Neues erlebt, was vor allem am Urlaub lag, denn da warten neue Erfahrungen an jeder Ecke. Aber auch mit dem Lesen geht es gut voran. Vier Bücher und - wie ich zu meiner Schande gestehen muss - davon nur eines von einer Frau. Warum ist das wichtig?
Die liebe rundengeherin hat mich nach der Lektüre der flow auf ein Projekt von die lesende Minderheit aufmerksam gemacht. Aller zwei bis drei Monate wird ein Thema vorgeschlagen, zu dem dann ein Buch gelesen wird. Das kann von Tieren im Titel über Klassiker hin zur Farbe des Umschlags alles sein. Ich finde diese Idee nicht nur grandios, weil man am Ende des Monats auch sehen kann, was andere dazu gelesen haben und sich neue Buchtipps sammeln kann, sondern auch, weil es dazu ermutigt über den Tellerrand der eigenen Vorlieben zu schauen und Unbekanntes zu entdecken.
Mein Einstiegsthema Autorin ist nun nicht besonders ausgefallen, das gebe ich zu. Allerdings habe ich recht schnell festgestellt, dass sich in meinem Bücherregal primär männliche Autoren häufen. Sowohl die Literatur im Studium, als auch meine Freizeitlektüre wird primär von Männern verfasst. Zeit also, mal wieder zu einer Autorin zu greifen.
Autorinnen im Bücherregal - hoffnungslos unterrepräsentiert.

Meine Wahl fiel auf Lucinda Riley, von der ich bereits berichtete. Ich mag die Autorin total gern, denn ich bin ein Fan von Familienromanen. Ihr neuestes Buch "Der Engelsbaum" ist eigentlich nicht neu, sondern schon gut 20 Jahre alt. Bei der Erstveröffentlichung schrieb Riley allerdings noch unter anderem Namen und war nicht annähernd so bekannt wie heute. Da wir in unserer Gesellschaft nichts verschwenden wollen, dachten sich Autorin und Verleger wohl, dass es mit frischer Übersetzung und neuem Design noch einmal gut zu verkaufen ist.
Worum geht's? Die Protagonistin Greta leidet seit ihrem Unfall vor über zehn Jahren an einen Gedächtnisverlust und kann sich nicht an die Zeit davor erinnern. Ihr Neffe David kümmert sich rührend und aufopfernd um sie. Nachdem sie nach langer Zeit endlich ihre Wohnung verlässt und auf das Anwesen zurückkehrt, wo alles begann, kommen ihre Erinnerungen zaghaft zurück.
Spannend oder lahm? Grob ist der Roman in drei Teile unterteilt, die jeweils die entsprechende Generation im Fokus hat, also von Mutter (Greta) über Tochter (Cheska) zu Enkelin (Ava). Ich kann nicht behaupten, dass mich viele unerwartete Wendungen völlig vom Hocker gehauen haben. Dafür gab es VIEL ZU VIELE Vorausdeutungen. Dennoch fesseln - zumindest mich - Geschichten über den Verfall, die Tragik des Zufalls und der Missverständnisse. Außerdem taucht dann doch hin und wieder die Liebe auf. Und wenn auch die eigentliche Geschichte vielleicht nicht endlos spannend ist, so ist es doch immerhin eine detektivische Aufgabe, die Familienzusammenhänge zu begreifen - zumindest anfänglich.
Lesen oder ignorieren? Lucinda Riley macht mir das Leben wirklich schwer. Sie hat dem "Das Orchideenhaus" mein Herz erobert, hat es mit "Der Lavendelgarten" dezent versaut, mit "Die Mitternachtsrose" wieder zum erglühen gebracht und nun das. Der Roman ist nicht schlecht, aber mit Abstand nicht so gut, wie das was Riley eigentlich drauf hat. Vielleicht war es also nicht die beste Idee den alten Schmöcker wieder aufzulegen. Andererseits war es letztendlich eine schöne und bewegende Geschichte. Daher würde ich sagen: Lest es, aber stellt keine zu hohen Ansprüche und ignoriert die Millionen Vorausdeutungen. Dann ist's ein richtig schöner Roman für einen kuscheligen Sonntag. Falls ihr aber noch nie etwas von der Autorin gelesen habt, greift bitte auf die Mitternachtsrose zurück.

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